Argumente

Die Stadtverwaltung rechtfertigt die geplante Abschaltung von Fußwegbeleuchtungen mit drei Argumenten:

  • Kosten
  • Klimaschutz
  • Geringe Nutzung

Kosten: Fußwege – eine nachhaltige Investition

Die Zerstörung der Beleuchtungsanlagen kostet erst einmal Geld, nämlich rund 37.000 Euro. Die Verwaltung will so die jährlichen Stromkosten um 5.900 Euro reduzieren. Beim Fußweg zwischen Rüdern und Obertürkheim geht es beispielsweise um ganze 362 Euro im Jahr, also gerade einmal einen Euro am Tag!
Außerdem sollen «mittelfristig (5 bis 10 Jahre)» Instandhaltungskosten von 165.000 Euro eingespart werden. Zum Vergleich: Die Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs lässt sich die Stadt in dieser Zeit 3.600.000 Euro kosten.
Demgegenüber ist die Sanierung von Wegebeleuchtungen eine sinnvolle, nachhaltige Investition – gerade angesichts eines notwendigen Umdenkens in der Verkehrspolitik.

Klimaschutz: Greenwashing à la Stadtverwaltung

«Das hochgesteckte Klimaschutzziel der Stadt Esslingen am Neckar sowie die dringend notwendigen Konsolidierungsleistungen machen es erforderlich, auch über eine Reduzierung im Rahmen der Straßenbeleuchtung nachzudenken.»

So steht es in der Vorlage der Verwaltung. 24 Tonnen CO2 würden jährlich eingespart, hat man im Rathaus ausgerechnet.
Das ist ein Musterbeispiel für lokalpolitisches Greenwashing: Kurzsichtigem Kostendenken soll ein Biosiegel aufgeklebt werden. Denn wird nur ein einziger Zweit- oder Drittwagen nicht angeschafft, weil man per pedes zur S-Bahn oder in die Arbeit kommt, ist die jährliche Klimabilanz bereits positiv. «So verursacht ein Golf (VI 1,6 TDI, 77 kW) bei einer Fahrleistung von 150.000 Kilometer über den Lebenszyklus betrachtet 25,3 Tonnen CO2. Allein durch die Herstellung werden rund 5,5 Tonnen CO2 verursacht.» (Quelle: VCÖ)
In Wirklichkeit ist es also genau umgekehrt: Attraktive, gut ausgebaute Fuß- und Radwege sind ein Beitrag zum Klimaschutz.

Alternativen zum Individualverkehr

«Die geringe Frequentierung des Weges rechtfertigt nicht die hohen Investitionskosten zum Erhalt der Anlage.» (Aus der Begründung der Stadtverwaltung.)

Das ist zunächst eine unbewiesene Behauptung. Oder hat die Stadtverwaltung bereits Verkehrszählungen durchgeführt? Dann weiß sie sicher auch, wie viele Fahrzeuge die Feldwege etwa zwischen Obertürkheim, Mettingen, Rüdern und der Neckarhalde täglich widerrechtlich durchfahren – parallel zu den nun von der Abschaltung bedrohten Wegen.
Ob hoch oder gering – die tatsächliche Nutzung der Fußwege sagt noch nichts über ihren Nutzen. Und der ist groß: Gefragt sind sinnvolle Alternativangebote zum Individualverkehr, der in Esslingen vielfach an seine Grenzen gekommen ist.
Unglaubwürdig macht sich dagegen, wer die Situation auf den überlasteten Straßen durch neue Baugebiete noch verschärft und gleichzeitig Routen für Fußgänger/-innen ins Tal zerstört. Auf nichts anderes läuft es nämlich hinaus, wenn Berufstätige von der Neckarhalde, aus Rüdern oder vom Zollberg morgens nur noch mit der Taschenlampe zur S-Bahn kommen und sich im Halbdunkel die Beine zu brechen drohen.

Zeit, zornig zu werden

Die Kassenlage der Kommunen ist schlecht. Andererseits können sich manche Stadtobere nur schwer von prestigeträchtigen Lieblingsprojekten trennen. Also demonstrieren sie ihren Sparwillen mit Vorliebe dort, wo sie bei maximaler Aufmerksamkeit mit dem geringsten Widerstand rechnen. Wenn Sie sich da mal nicht getäuscht haben. Zeit, zornig zu werden.

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